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Ingo Klimmek, Vorsitzender des Gewerbevereins Glienicke/Nordbahn Foto: Glienicker Kurier

Wir danken dem Glienicker Kurier für die Möglickeit den Text hier auf unserer Website zu veröffentlichen. Das Interview wurde in der Oktober Ausgabe  2017 auf der Seite 4 im Glienicker Kurier publiziert. Nachstehend das Interview:

"Sorgen bereitet uns der Mangel an Fachkräften"

Der Glienicker Gewerbeverein hat derzeit 68 Mitglieder. Vom Handwerker bis zur häuslichen Krankenpflege ist eine große Bandbreite an Firmen vertreten. Seit gut einem Jahr führt Ingo Klimmek den Vereinsvorsitz. Kurier-Redakteur Arne Färber sprach mit ihm über die Existenzkrise des Vereins im vergangenen Jahr, seine Ausrichtung in den kommenden Jahren und über die Zukunft des Gewerbes im Zeitalter von Digitalisierung und Fachkräftemangel.

Glienicker Kurier: Herr Klimmek, was macht ein Gewerbeverein eigentlich?

Ingo Klimmek: Die Aufgabe unseres Gewerbevereins ist es, die unternehmerische und wirtschaftliche Tätigkeit in Glienicke und Umgebung zu fördern und zu stärken. Wir wollen unseren Mitgliedern eine Plattform geben und auch als Sprachrohr auftreten, um unsere Interessen in die Öffentlichkeit zu tragen. Des Weiteren versteht sich der Vorstand als Brücke zur Gemeinde und zu öffentlichen Institutionen. Natürlich geht es auch darum, dass sich die Mitglieder untereinander vernetzen und die Gelegenheit haben, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Dem Gewerbeverein gehören verschiedene Gewerke und Berufsgruppen an. Daher hat jeder seine Stärken und Erfahrungen. Diese Kompetenzen wollen wir bündeln, um voneinander zu lernen und zu profitieren. Wir versuchen auch, einheitlich aufzutreten. Das ist die Idee.

Glienicker Kurier: Sie sprechen das einheitliche Auftreten des Gewerbevereins an. Dieser ist im zurückliegenden Jahr in heftige Turbulenzen geraten, als fast der gesamte Vorstand seinen Rücktritt erklärte. War die Existenz des Glienicker Gewerbevereins zu diesem Zeitpunkt gefährdet?

Ingo Klimmek: Die Existenz war konkret gefährdet. Ich war schon länger Vorstandsmitglied und in dieser Eigenschaft fand ich mich nach dem Sommerurlaub 2016 ohne Vorstandskollegen wieder. Damit war laut Satzung der Gewerbeverein handlungsunfähig. Ich habe dann entschieden, das Herbst- und Weinfest abzusagen, weil es rechtlich ja gar nicht möglich war, Verträge einzugehen und zu schließen.

Der Verein befand sich in einer Situation, in der er vor der Entscheidung stand, dass sich entweder ein handlungsfähiger neuer Vorstand findet oder der Verein abgewickelt wird. Wir hatten dann im September eine außerordentliche Mitgliederversammlung, in der wir eine neue Führungscrew gewählt haben.

Glienicker Kurier: Wie motiviert waren Sie, den Vorsitz im Vorstand zu übernehmen?

Ingo Klimmek: Ich hätte natürlich auch sagen können, dass ich keine Lust mehr habe. Aber als Glienicker Bürger habe ich mir dann gesagt, dass es das nicht gewesen sein kann. Denn der Gewerbeverein hat sich über die Jahre einen anerkannten Stellenwert erarbeitet und dass er jetzt so sang- und klanglos abgewickelt werden sollte, konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Ich konnte neue und motivierte Vorstandsmitglieder finden, die bereit waren, sich für den Verein einzubringen. Ohne sie wäre es nicht gegangen. Derzeit befinden wir uns in einer Konsolidierungsphase. Da es keine geordnete Übergabe gab, mussten wir uns vieles erarbeiten und erst einmal die Scherben zusammenkehren und geschäftsfähig werden.

Glienicker Kurier: Sie sind jetzt seit einem Jahr im Amt. Welche Akzente wollen Sie setzen und wohin soll die Reise des Gewerbevereins gehen?

Ingo Klimmek: Im ersten Jahr haben wir uns um viele administrative Dinge gekümmert und die Satzung angepasst. Jetzt ist es der Anspruch des Vorstandes, die Mitglieder mehr ins Boot zu holen. Das heißt, dass wir das Gespräch suchen, um die Sorgen und Nöte besser zu verstehen und somit wieder mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Mitglieder nehmen zu können. Ab Oktober geht unsere neue Homepage online. Dadurch soll unter anderem die öffentliche Wahrnehmung des Gewerbevereins gestärkt werden. Mir schwebt auch vor, dass man mit den Einzelhändlern gemeinsame Aktionen plant. Ich könnte mir zum Beispiel eine Kundenrabattkarte vorstellen. Diese wird von den Mitgliedern des Gewerbevereins ausgegeben und soll den Kunden Vorteile beim Einkauf ermöglichen. Die Überlegungen gehen also dahin, die Gewerbetreibenden an einen Tisch zu bekommen, um somit voneinander zu profitieren. Des Weiteren wollen wir das Weihnachtsfeuer am dritten Advent weiter betreiben und natürlich das Herbstfest als traditionelle Veranstaltung des Gewerbevereins fortsetzen.

Glienicker Kurier: Die Gemeinde Glienicke ist eine wohlhabende Kommune mit einer starken Kaufkraft. Welche Zukunftssorgen haben Sie in Bezug auf das Gewerbe in unserem Ort?

Ingo Klimmek: Ich sehe aktuell positiv in die Zukunft. In der breiten Masse geht es unseren Mitgliedern derzeit gut. Die meisten Unternehmer haben einen guten Kundenstamm und eine ebenso gute Auftragslage und sind nicht gezwungen, massiv für sich zu werben. Die Firmen, die hier etabliert sind, haben ihr Auskommen. Viele stoßen bezüglich der Auftragslage sogar an ihre Kapazitätsgrenzen. Was den wirtschaftlichen Standort angeht, ist Glienicke sehr gut aufgestellt. Aber natürlich müssen wir uns auf bestimmte Veränderungen einstellen. So hält die Digitalisierung massiv Einzug. Da müssen unsere Unternehmen ihre Hausaufgaben machen. Trotz der rasanten Entwicklung ist die Nähe zum Kunden aber entscheidend. Der Werkmarkt zum Beispiel verkauft nicht nur seine Produkte, sondern bietet auch viel Drumherum an. Dazu gehört etwa ein Bringservice. Sorgen bereitet uns dagegen der Mangel an Fachkräften, speziell im Handwerk und im Dienstleistungsbereich. Viele Firmen könnten mehr machen, wenn sie nur genügend Personal hätten. Bitter ist auch, dass Ausbildungsplätze nicht mehr oder nur noch mit viel Aufwand besetzt werden.

Glienicker Kurier: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung?

Ingo Klimmek: Die Zusammenarbeit ist durchaus als positiv zu be- werten. Die Gemeinde schätzt uns als Verein und hat uns im Vorfeld des Herbstfestes sehr gut unterstützt. Neben dem finanziellen Zuschuss gab es auch eine an- genehme Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt. Wir haben einen kurzen Draht zum Bürgermeister. Er kümmert sich und wir werden gehört. Das ist wirklich gut. Daher hoffen wir – unabhängig vom Ausgang der Bürgermeisterwahl -, dass die Zusammenarbeit so bestehen bleibt.

Glienicker Kurier: Was wünschen Sie sich langfristig für den Gewerbeverein?

Ingo Klimmek: Ich wünsche mir, dass nicht nur der Vorstand, sondern der Gewerbeverein als Ganzes, als Gemeinschaft wahrgenommen wird. Wer zum Beispiel in den ländlichen Bereich zieht, muss in den Karnevalsverein oder in die Feuerwehr eintreten, um im Ort anerkannt zu sein. Eine solch anerkannte Institution wollen wir auch für Glienicke sein. Soll heißen: Wer unternehmerisch tätig ist, kommt am Gewerbeverein nicht vorbei. Das ist sicherlich sehr ambitioniert, aber so einen Stellenwert wollen wir langfristig erreichen.

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